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Akademiemarxismus

Ich wollte mir seit längerem Michael Heinrichs „Wissenschaft vom Wert“ vornehmen, nachdem sich sein kleines Bändchen titels „Kritik der politischen Ökonomie“ als knappe, aber konzise Einführung ins Thema erwiesen hat. Dafür habe ich extra auf die Neuauflage gewartet, die mittlerweile erschien und bei mir eingetroffen ist. Inhaltlich hat sich mit der 4. Auflage aber nichts geändert und nach den ersten hundert Seiten bin ich eher enttäuscht über den Wälzer.

Zwar schreibt hier Heinrich at his best, also nah an Marx, ohne auf eine rein deskriptive Ebene zu fallen. Doch die damit vermittelte Marx-Rezeption ist (a) die einer positiven Wissenschaft bürgerlicher Ökonomie, einer „Kapitalistik“ (Fülberth). (b) Geht es nicht um die eigentliche Darstellung der Marxschen Werttheorie und -kritik (und Kritik der Kritik), sondern zunächst ihre ideengeschichtliche Entwicklung (ein davon also deutlich unterschiedenes Unterfangen). (c) will Heinrich nachweisen, dass Marx zwar ob seiner revolutionären Ansätze verpöhnt ist, die Marxsche Kritik aber selbst im Denken der bürgerlichen Ökonomie verhaftet sei (Stichwort monetäre Werttheorie), weshalb das Marxsche Werk in „klassischen“ Termini fassbar wird und als Beitrag zur Wirtschaftstheorie taugt. Schließlich geht es (d) darum, zu begründen, warum Marx neben „anderen“ Klassikern ein Platz in der pluralistischen akademischen „Kapitalistik“ gebührt. Dazu vollführt Heinrich gleich zu Beginn den Kotau, seine Darstellung über die Entwicklung eines eigenen Wissenschaftsbegriffs (in Abgrenzung zu Popper) zu legitimieren.

Das gleiche Spielchen gibts in Heinrichs „Kritik“ und zu Beginn seiner Vorträge – sie beginnen mit einer Abgrenzung/Distanzierung zu dem, was unter „Marxismus“ verstanden wird. — Versprochen: Ich bemühe mich um eine ausführliche Rezension und Kritik, sobald das Buch ausgelesen ist ;-)

Auftakt

„[…] Die sozialistische Gesellschaftsordnung wird von der Weltgeschichte nicht verhindert, sie ist historisch möglich; verwirklicht wird sie aber nicht von einer der Geschichte immanenten Logik, sondern von den an der Theorie geschulten, zum besseren entschlossenen Menschen, oder überhaupt nicht.“1

  1. Horkheimer, Max: Skepsis und Moral, in ders.: Dämmerung, Zürich 1934.

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