No Lager!

Kenneth bloggt auf x-berg zum Weimarer „Antifacamp“ (das bis zum vorletzten Jahr noch „geschichtsbewusst“ Workcamp hieß). Dieses Camp verbreitet auf seiner Website eine Erklärung des Vorbereitungskreises, in dem sich gegen Nationalfahnen ausgesprochen wird: „Das Antifa Camp definiert sich nicht über Nationen, nationale Symboliken und Nationalstaaten.“ Davon abgesehen, dass diese Erklärung keine Auseinanderstzung mit dem Thema, sondern eine Unvereinbarkeitserklärung und praktische Handhabe gegen „Antideutsche“* darstellt („Das Antifa Camp ist prinzipiell für jeden offen, Voraussetzung bleibt jedoch eine Anerkennung der Grundpositionen des Camps“), scheint es geradezu aberwitzig, im Wissen um die historische Bedeutung Buchenwalds die Fahnen der Alliierten und Israels zu verbieten.

* Was die Erklärung jedenfalls verschweigt, ist ihr eigentlicher Anlass. Im vergangenen Jahr kam es, wie TeilnehmerInnen berichten, zu ziemlich unschönen Szenen, bis die Situation – anlässlich einer Israelfahne bei einer Demo, die an die Deportation 11.000 jüdischer Kinder erinnern sollte – beinahe handgreiflich wurde. Dem soll jetzt vorgebeugt werden – durch Ausschluss.

Meine Checkliste für eine gelungene Sommerurlaubsplanung: kein Politcamping mit altautonomen Antizionisten, keine Vokü, keine Stinkehunde, keine Davidsternhakenkreuz-Schmierereien, keine Zwangsweckung um 7 Uhr, kein Tausch ‚Arbeit gegen Dusche‘, keine Mumia-Infoveranstaltung, kein Palästina-Abend, kein Thüringen.

Geständnisse

Justus Wertmüller in der aktuellen Bahamas Nr. 50, S. 8:

‚Von mir aus sollen sie sich gegenseitig totschlagen, wenn sie nur andere, die sich ihrer Bandenkultur, ihrer Religion und ihren prima Ehrenvorstellungen nicht unterwerfen wollen, zufrieden lassen.‘ Ich gebe zu, das vom Redemanuskript abweichend am 19. November 2005 vor gut 300 Leuten in einer Kirche in Kreuzberg gesagt zu haben. Es war keine wichtige Bemerkung, sondern nur eine auf dem vorläufigen Höhepunkt des mörderischen Wütens eines Vorstadtgesindels notwendige kleine Ansage an jene im Publikum, die friedliche Hooligans, die sich nur gegenseitig verprügeln, empört als schlimme Nazis denunzieren und zugleich darüber wachen, daß keiner unter Verweis auf deren unbeteiligte Opfer die Ehre eines ziemlich großen Teils der männlichen Jugend aus Clichy-sous-Bois oder Neukölln verunglimpft.

Akademiemarxismus

Ich wollte mir seit längerem Michael Heinrichs „Wissenschaft vom Wert“ vornehmen, nachdem sich sein kleines Bändchen titels „Kritik der politischen Ökonomie“ als knappe, aber konzise Einführung ins Thema erwiesen hat. Dafür habe ich extra auf die Neuauflage gewartet, die mittlerweile erschien und bei mir eingetroffen ist. Inhaltlich hat sich mit der 4. Auflage aber nichts geändert und nach den ersten hundert Seiten bin ich eher enttäuscht über den Wälzer.

Zwar schreibt hier Heinrich at his best, also nah an Marx, ohne auf eine rein deskriptive Ebene zu fallen. Doch die damit vermittelte Marx-Rezeption ist (a) die einer positiven Wissenschaft bürgerlicher Ökonomie, einer „Kapitalistik“ (Fülberth). (b) Geht es nicht um die eigentliche Darstellung der Marxschen Werttheorie und -kritik (und Kritik der Kritik), sondern zunächst ihre ideengeschichtliche Entwicklung (ein davon also deutlich unterschiedenes Unterfangen). (c) will Heinrich nachweisen, dass Marx zwar ob seiner revolutionären Ansätze verpöhnt ist, die Marxsche Kritik aber selbst im Denken der bürgerlichen Ökonomie verhaftet sei (Stichwort monetäre Werttheorie), weshalb das Marxsche Werk in „klassischen“ Termini fassbar wird und als Beitrag zur Wirtschaftstheorie taugt. Schließlich geht es (d) darum, zu begründen, warum Marx neben „anderen“ Klassikern ein Platz in der pluralistischen akademischen „Kapitalistik“ gebührt. Dazu vollführt Heinrich gleich zu Beginn den Kotau, seine Darstellung über die Entwicklung eines eigenen Wissenschaftsbegriffs (in Abgrenzung zu Popper) zu legitimieren.

Das gleiche Spielchen gibts in Heinrichs „Kritik“ und zu Beginn seiner Vorträge – sie beginnen mit einer Abgrenzung/Distanzierung zu dem, was unter „Marxismus“ verstanden wird. — Versprochen: Ich bemühe mich um eine ausführliche Rezension und Kritik, sobald das Buch ausgelesen ist ;-)

total durch…

Eine durch und durch lachbare Diskussion im ADF. „Rassistische Darstellung“, meint Johnny Mutante. Ralle will sein Abo kündigen. Für einen Fake hält es kalifighter, weil er nicht eingeladen wurde. Und manche Handtuch-Blogger reiben sich die Augen. Die Bahamasrassistisch, wie konnte das nur passieren (und einem in den vergangenen Jahren der Lektüre entgehen)? Eine Rückseite der Ausgabe 26 hat es nie gegeben.

(Nebenbei, und das nicht ohne Stolz: das besagte Bildchen ist schon ein paar Tage lang hier im Blog verlinkt…)

1998

…und 8 Jahre später:



Wie die PDS ihr „D“ übersetzt

Kaum hat die PDS-Jugend eine Kampagne unter dem Motto „Nein zum Deutschlandhype!“ gestartet, sieht sich Peter Porsch, Linksfraktions-Chef im sächsischen Landtag, zur Feststellung genötigt, dass

„Die Fahnen […] für die nichtkommerzielle Komponente der Weltmeisterschaft“

stehen, also gerade das Beste am ganzen Rummel sind. Im Gegensatz etwa zur

„übertriebene[n] Kommerzialisierung des Fußballs“

von der Porsch meint, dass man sie „als Linker“ kritisieren „kann und muss“. Die WM wird dann, nationalistisch statt kommerziell gewendet, gar antikapitalistisch, denn

„[g]erade für die durch global agierendes Kapital benachteiligten kleinen Nationen ist die WM eine gute Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen“

(Quelle)

Fahnenappell

Die LVZ berichtet heute, warum die Lehrergewerkschaft GEW gegen das Absingen des sog. „Deutschlandliedes“ in Schulen ist:

„GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne hatte am Mittwoch erklärt, das Deutschlandlied transportiere die Stimmung des Nationalsozialismus und der deutschen Leitkultur. Er sprach von einem furchtbaren Loblied auf die deutsche Nation. Deswegen sollten nun Argumente gegen die Hymne an den Schulen verteilt werden.“

Die Erwiderung des sächsischen CDU-Generalsekretärs Kretschmer:

„Diese Leute haben von der derzeitigen Stimmung im Land nichts verstanden“

Der Kommentator der LVZ, Roland Herold, präzisiert diese Sache mit der Stimmung:

„Wenn jetzt also Tausende in WM-Euphorie ‚Deutschland, Deutschland‘ skandieren, Fahnen schwenken und sich als Teil einer Nation begreifen, ist das kein Rechtsruck, sondern ein Schritt in Richtung Normalität.“

Und da hat er, wie sein Vorredner, Recht. „Deutschland, Deutschland“, so beginnt ja auch die Hymne.

Generation Konform

Der deutsche Historiker und Publizist Paul Nolte wartet auf mit einer Psychopathologie der deutschen WM-Fans – und findet’s gut:

„Sie wollen sich aktiv einbringen, ein Gemeinschaftsgefühl erleben, Teil des Ganzen sein, nicht mehr bloß dumpfe Massen. […] Die Masse will aktiv sein.“

Kommentar zum (Fußball-) Tag

Heute, halb fünf in Ostdeutschland.

apropos Sekte

Das Szenefeuilleton-Magazin „Jungle World“ ist seine 2,90 € zwar schon lange nicht mehr wert, für einen Lacher gut ist das Blatt aber trotzdem ab und an. Danke, wenn auch in der Realität schon längst getoppt.

Konkrete Schritte

Aus dem Vorwort der neuen Phase 2:

„Abseits der Linken kritisiert Klaus Thörner eine Haltung des laissez-faire und des Appeasements durch europäische Staaten. Diese legitimiert und stärkt Islamisten.“

Fies: die deutschen Truppen wollen partout nicht durch den Orient ziehen. Oder, wie es im Aufruf zu einer iran-kritischen Kundgebung am 21. Juni in Leipzig heißt:

„Während gegen die Neonazis in Deutschland im Namen der ‚Lehren aus der Geschichte‘ mit staatlicher Härte und gesellschaftlicher Empörung vorgegangen wird, interessiert die reale Bedrohung Israels durch den Iran und die Islamistische Internationale nur wenig. […] Weder staatliche Institutionen noch wesentliche Teile der sogenannten Zivilgesellschaft und der ‚Linken‘ sind jedoch bereit, beim Thema ‚Der Iran droht Israel und der westlichen Welt mit der Atombombe‘ der wohlfeilen Empörung konkrete Schritte folgen zu lassen.“



Empfehlungen

randnotizen

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„Marxo“, der sich ob seiner clownesquen Denke eher nach Groucho denn dem Karl benannte, meint wiederum im ADF: Die Vorstellung, man könne es sich aussuchen, täuscht über den Gegenstand hinweg, dass nämlich bürgerlich-liberale und eben auch konservative die Bündnispartner von Israelsolidarität sein müssen! […] Man bekommt eben eher einen Beckstein zum Kommunisten gemacht, als einen Kommunisten israelsolidarisch.

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Cardigan („Towelie“) meint, „…dass auch ein ausgebeuteter proletarier durchaus ein schoenes leben haben kann“

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Zwei neue CEE IEH-Artikel zu demokratischem Nationalismus und der G8-Mobilisierung

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„Und ich poste Panzerbilder, weil die Israel im Ernstfall verteidigen müssen.“ (ahron, the towel, im ADF)

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Ja, die neue Bahamas ist da

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